Mein Kinderwunsch, der sich nie erfüllte – und wie ich endlich Frieden fand
- Laila Marti

- vor 5 Tagen
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2018 kam mein Sohn auf die Welt. Ich hatte ihn mir so sehr gewünscht. Und schon damals wusste ich: Ein Geschwisterchen soll ihm einmal zur Seite stehen. Ich träumte von einem kleinen Bruder oder einer Schwester, von gemeinsamen Abenteuern, von Lachen und Chaos, das man nur mit Geschwistern teilt.
Doch es wollte einfach nicht klappen. Fünf Jahre lang haben wir gewartet, gehofft, gebangt. Jeder Zyklus war ein Auf und Ab. Die Tage vor der Periode waren voller Spannung und Hoffnung – vielleicht diesmal? Und dann kam sie. Immer wieder. Wie ein kleiner Stich ins Herz, ein leises, schmerzhaftes „Nicht dieses Mal“.
Ich habe alles ausprobiert: TCM, Familienaufstellungen, schamanische Rituale, Bluttests, gynäkologische Beratung. Jede neue Therapie brachte Hoffnung, jede neue Hoffnung brachte Enttäuschung. Ich hatte eine Fehlgeburt. Ein Verlust, der tief sitzt, der still in mir nachhallt. Ich habe geweint, wütend geschrien, mich gefragt: „Warum wir?“

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass die Jahre schneller vergehen, als man denkt. Ich bin 40 geworden und fühlte mich plötzlich zu alt, um noch einmal neu anzufangen. Und tief in mir spürte ich: Es ist okay. Ich darf loslassen. Ich darf Frieden finden.
Unser letzter Weg war der schulmedizinische: alles abklären, jede Möglichkeit prüfen. Eileiter durchspült, Spermiogramm beim Mann, Hormone untersucht. Bei mir wurde PCOS diagnostiziert – ein hormonelles Durcheinander, das es schwer macht, schwanger zu werden. Die Behandlung sah vor, dass ich ein Anti-Hormon bekomme, ursprünglich für die Krebstherapie gedacht, um mein Hormonlevel so weit wie möglich auf null zu bringen, damit die Hormone, die ich dann spritzen sollte, einfacher eingestellt werden konnten. Dazu kommt eine Spritze, die den Eisprung auslöst.
Es gibt zwei Varianten dieses Hormons:
Die eine bioidentisch, im Labor hergestellt – ursprünglich aus dem Urin eines Pandabären gewonnen und dann synthetisch nachgebaut.
Die andere – und das hat mich tief getroffen – wird aus dem Urin postmenopausaler Frauen in Altenheimen in Indien, China, Spanien und Portugal gewonnen. Ich wusste nicht, dass es diese Variante gibt. Ich konnte nicht wissen, unter welchen Bedingungen diese Frauen leben, ob sie gesund sind, welche Medikamente sie nehmen, ob sie überhaupt wissen, wofür ihr Urin verwendet wird. Ich konnte es nicht. Ich konnte diesen Weg nicht gehen.
In diesem Moment wusste ich: Mein zweiter Kinderwunsch m
uss begraben werden. Ich habe geweint, weil es so unfair, so schmerzhaft war. Aber zugleich spürte ich eine seltsame Erleichterung. Endlich war die Entscheidung getroffen, endlich war der Kampf vorbei.
Heute geht es mir gut. Ich habe Frieden geschlossen – gemeinsam mit meinem Mann. Mein Herz ist schwer gewesen, aber jetzt ist da Platz für Liebe, für Energie, für meinen Sohn, mein Leben, meine Berufung.
Manchmal ist Loslassen schwerer als Kämpfen. Aber manchmal ist es genau das, was uns endlich frei macht. Für mich war es das.




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